»Der Tod, er trennt nicht nur. Manchmal entsteht aus einer Verbindung,

die er zu vernichten droht, ein Bündnis für die Ewigkeit.«


Auf deinem Mond ein Feigenbaum

320 Seiten

ISBN-13: 9783748159681 (TB)

ISBN-13: 9783748170914 (HC)

ISBN-13: 9783748176800 (EB)

Erscheinungsdatum: März 2019

erhältlich als: 

Gebundenes Buch € 20,00

Taschenbuch € 12,90

eBook € 7,49



Zum Inhalt

Jan und Carmela führen eine deutsch-italienische Bilderbuchehe. Ihr größtes Glück ist ihre zehnjährige Tochter Matilda. Alles scheint perfekt, bis Carmela unheilbar an Krebs erkrankt und stirbt. Für Vater und Tochter bricht eine Welt zusammen. So sehr sie sich auch bemühen, sie finden nicht in ihr normales Leben zurück. Während Jan fast völlig verstummt und die meiste Zeit antriebslos im Bett verbringt, wird Matilda von schlimmsten Alpträumen und Schuldgefühlen gequält. Sich selbst überlassen sucht sie vergeblich nach Halt bei ihrem in sich gekehrten und elegischen Vater. Monate vergehen. Dann bekommen sie Post aus der Toskana. Von Carmela! Der Beginn einer alles verändernden Abenteuerreise ...


Zur Entstehung

Viele der schmerzhaften Dinge im Leben sind mit einem Gefühl des Abschieds verbunden. Eine Liebesbeziehung, die zerbricht, ein Lebensabschnitt, der zu Ende geht oder der Tod eines nahestehenden Menschen. Manchmal ist es ein schleichender Prozess, manchmal geschieht es völlig unerwartet. Fast immer aber empfinden wir das Abschiednehmen als eine Art Zäsur, als tiefen Lebenseinschnitt, mit dessen weitreichenden Folgen man bisweilen Jahre zu kämpfen hat. Oft stehen wir da und blicken fassungslos ins Leere, fragen uns, wie es sein kann, dass etwas einfach aus den Federn kriecht und geht, obwohl man es doch gerade noch im Arm hielt.

 

Auch ich tat mich lange Zeit schwer mit dem Verabschieden. Meist verfuhr ich dabei getreu der alten Pflasterdevise, dass einmal kurzes Reißen grundsätzlich besser ist als langsames Ziehen. Ich glaubte offenbar mein Herz auf diese Weise vor übermäßiger Beanspruchung zu schützen. Schon gar nicht wollte ich zu einer dieser am Bahnsteig stehenden Heulsusen mutieren, die sich inmitten von Trolleys und Trennungs-Zelebrierern an intimen Momenten versuchten. Immerhin schleppte ich mich mit dieser stringenten Haltung bis weit ins Erwachsenenalter, auch wenn ich dafür größtenteils in Wüsten übernachten musste. Irgendwann aber beschlich mich das Gefühl, dass an meiner Strategie womöglich etwas faul sein könnte. Zunächst war es eher ein Unwohlsein, ein sich steigerndes Zweifeln. Ich fragte mich, ob die Kunst des Lebewohlsagens tatsächlich darin besteht, permanent verbrannte Erde zu hinterlassen oder jedes Gefühl von Traurigkeit zu eliminieren, zumal es mir trotz beharrlichem Pflasterreißens nie gelang, mich wirklich frei zu fühlen. War mein akribisch betriebenes Seelen-Peeling in Wirklichkeit vielleicht doch nur eine abgewandelte Form des Festhaltens?

 

Als ich meine beiden Protagonisten, Matilda und Jan, vor fast zehn Jahren in die Senesi-Wüste schickte, um den Spuren Carmelas zu folgen, hatte ich nicht die geringste Ahnung, dass ich mich selber damit auf den Weg machte, mein eigenes Loslassen zu ergründen. Zu Beginn stand lediglich die vage Idee eine Art Roadmovie in Buchform zu verfassen und die Eindrücke meiner zuvor unternommenen Reise durch die Toskana festzuhalten – jene so einzigartige und atemberaubende Region im Herzen Italiens, deren malerischer Schönheit ich gleich beim ersten Mal erlag und die sich mir wie kaum eine andere in die Sinne einbrannte. Nur langsam gestaltete sich die eigentliche Geschichte. Dabei war mir zunächst mehr an der Beschreibung der Kulisse gelegen, als dass ich den Figuren größeren Raum zur Entfaltung gab. Zwischenzeitlich legte ich das Buch immer wieder zu Seite, um mich Projekten zu widmen, deren Vollendung mir vorerst dringlicher erschien.

Für gewöhnlich holte ich es dann wieder hervor, wenn sich in meinem Leben etwas ereignete, das im weitesten Sinne etwas mit Loslassen oder Abschiednehmen zu tun hatte. Damals wusste ich allerdings noch nicht, dass sich in den folgenden zehn Jahren eine ganze Armada an Liebgewonnenem aus meinem Leben schleichen sollte. Um ein Haar wäre ich sogar selber weggespült worden, sodass ich gar nicht umhin kam, die bereits begonnene Auseinandersetzung mit diesem Thema zu intensivieren.

 

Das vorliegende Buch ist gewissermaßen eine Aufarbeitung dieser Ereignisse. Natürlich ist es immer noch ein Roman, ein fiktiver Bericht über eine fast schon zerbrochene Vater-Tochter-Beziehung, die sich plötzlich in einer veränderten Wirklichkeit wiederfindet und neu auszurichten versucht. Dennoch steckt in den allermeisten Zeilen auch eine Menge Persönliches. Durch meine Protagonisten verschaffte ich mir eine Reflexionsebene, die es mir nicht nur ermöglichte, mit meinen eigenen Mustern und Handlungsweisen in Kontakt zu treten, sondern auch die sich parallel vollziehenden Lebensbrüche besser zu verarbeiten.

 

Immer wieder schickte ich meine Helden auf die Reise, um sich im Loslassen zu üben und sich den essenziellen Lebensfragen zu stellen. Dabei beschränkte ich mich weitestgehend auf die Rolle des Beobachters. Eifrig protokollierte ich alles, was sie an Erkenntnissen zu Tage förderten. Es war viel Kostbares dabei, vieles, was mir half, die eigene Sichtweise zu verändern und mich neu zu justieren. Insbesondere wurde mir bewusst, dass ich bislang eine wichtige Komponente des Verabschiedens übersehen hatte. Jahrelang verknüpfte ich damit nur negative Aspekte. Doch das ist eben nur die halbe Wahrheit. Fast immer findet sich im Abschiednehmen auch ein Neuanfang, ein Abenteuer, möglicherweise sogar eine Befreiung oder der Ausweg aus einer verfahrenen Situation. Insofern beinhaltet Abschied immer beides: Etwas weicht, damit etwas Neues an seine Stelle treten kann.

 

Man könnte sich in diesem Zusammenhang ganz grundsätzlich fragen, inwieweit die in unseren materialistischen Systemen verankerte Sammel- und Bewahrungsleidenschaft zum Glücklichsein verhilft. Vielleicht sollten wir uns wieder mehr darauf besinnen, dem Fluss beim Fließen zuzusehen. Wenn man sich von dem Gedanken trennt, etwas für immer behalten zu wollen, wird man es schließlich auch nicht irgendwann verabschieden müssen. Ich glaube ohnehin nicht, dass es gelingt, etwas, das gehen will, aufzuhalten. Insofern passt der Vergleich mit dem Fluss ganz gut. Natürlich könnte man versuchen, ihn aufzuhalten. Soweit ich mich erinnere, sind Unternehmungen dieser Art jedoch fast immer schief gegangen. Und so erfreue mich lieber an seinem Treiben.

 

Überhaupt bin ich, was das Verabschieden betrifft, mittlerweile ganz zufrieden mit mir. Auf brachiales Pflasterreißen kann ich jedenfalls inzwischen verzichten. Sogar Bahnhöfe haben für mich ihren Schrecken verloren. Mittlerweile ist auch zu mir durchgedrungen, dass dort nicht nur Züge abfahren, sondern auch welche ankommen. 

 

In diesem Sinne hoffe ich, dass Euch mein kleiner Roman gefällt und verbleibe mit den besten Wünschen für 2019.

 

Felix Söring im Januar 2019    


Leserstimmen

Hophahex, 11. Juni 2019

Jede Menge Gefühl!

Wie kein zweiter vermag es der Autor, dem Leser sinnliche Bilder in den Kopf zu zaubern. Man spürt beim Lesen die Sonne Italiens auf der Haut, riecht den Duft eines italienischen Straßencafes, hört das Tuckern eines kleinen Fiats und sieht die Wüstenei einer Mondlandschaft. Vor allem aber spürt man die Liebe. Die Liebe, mit der dieses Buch geschrieben wurde und die Liebe der Protagonisten untereinander. Nicht nur die Liebe eines Mannes zu seiner Frau, sondern auch die Liebe zwischen Eltern und ihren Kindern, die Liebe zu einem Land und die Liebe zum Leben selbst. So entlässt der gelungene Schluss den Leser voller Liebe, Lebensfreude und Hoffnung. Ein wundervoll emotionales Leseerlebnis, das nachwirkt.

Thea Petermann, 14. April 2019

Sehr kurzweilig geschrieben

Ein ernstes Thema, das mit sympathischen Protagonisten aufgearbeitet wird. Viel Spaß beim Lesen machen auch die Wortkreationen, die die Geschichte sehr anschaulich machen. Ein Buch, das ich in jedem Fall weiterempfehlen kann.

Nikolay Gaslabov, 27. März 2019

Spannung, Style und Überraschung

Lässt sich sehr geschmeidig lesen,baut sich spannend und nicht zu langatmig auf und man braucht kein Fremdbuch Lexikon..... Big Like!

Irene Appears, 26. März 2019

Ins Leben zurück finden

Das Leben scheint unerträglich, der Schmerz nicht aushaltbar.

Aber dann wartet man ab, lebt weiter, macht sich gemeinsam auf den Weg und blickt zusammen in diese Welt - und entdeckt dabei Wunder, die sich aus der Zusammenschau von Überirdischem und einem irdischen Wunder in einer scheinbar wüsten Gegend ergeben. So habe ich das Buch erlebt.

Ein sehr lebensfrohes, dieser Welt zugewandtes Buch, das zugleich einen Sinn für Übersinnliches hat.Unbedingt lesenswert!

ßuh, 19. März 2019

Eine wunderbare "Ent-täuschung"

Ich habe mir das Buch kürzlich bestellt, weil ich Lust auf eine entspannte literarische Reise durch mein geliebtes Italien hatte und mir eine Freundin daraufhin diesen Roman empfohlen hatte. In meiner Erwartung eines kitschigen Urlaubsromans würde ich allerdings etwas „enttäuscht“: Aufgrund meiner eigenen Geschichte rund um das Abschiednehmen wurden ganz unerwartete Gefühle in mir losgetreten, da es dem

Autor wirklich unheimlich gut gelungen ist, die Tiefe und besondere Magie von Trauer hinterblienener Menschen zu erfassen und zu umschreiben. Das hat mich sehr berührt. Gleichsam gelingt es ihm aber auch, die Schwere der Situation, durch die kindliche Perspektive der Tochter Matilda, in wunderbar lustige Leichtigkeit zu verwandeln. Überhaupt finde ich es super gelungen, dass sich über das gesamte Buch hinweg ein ständiger Perspektivenwechsel von Vater und Tochter vollzieht und man sieht, dass die Welt durch Kinderaugen ein ganz anderes Gewand bekommen kann...

Ich bin sehr dankbar dafür, dieses Buch gefunden zu haben und kann es von Herzen empfehlen.e Perspektive der Tochter Matilda, in wunderbar lustige Leichtigkeit zu verwandeln. Überhaupt finde ich es super gelungen, dass sich über das gesamte Buch hinweg ein ständiger Perspektivenwechsel von Vater und Tochter vollzieht und man sieht, dass die Welt durch Kinderaugen ein ganz anderes Gewand bekommen kann...

Ich bin sehr dankbar dafür, dieses Buch gefunden zu haben und kann es von Herzen empfehlen.

Mo, 1. März 2019

Einfühlsamer Autor

Was für eine schöne und einfühlsame Erzählung. Schön, wie das Erstlingswerk.

Sunny, 22. Februar 2019

Anrührende Reise, lebendig und mit feinem Humor erzählt

Mit schwerem seelischen Gepäck reisen Vater und Tochter durch die Toskana. Verloren und verstockt die Tochter nach dem Tod der Mutter, zornig und hilflos der Vater nach dem Verlust seiner großen Liebe. Ein schweres Thema, aber mit großer Leichtigkeit geschrieben. Höchst amüsant der Schlagabtausch zwischen den beiden, berührend ihr gemeinsamer Weg durch die Trauer und zueinander. Manch kluger Satz hat mich sehr bewegt und innehalten lassen. Großartig!

Anna, 4. Februar 2019

Dieser Mond ist eine Reise wert!

Ein wundervolles Buch über die Liebe zum Leben und zum Menschsein. Über das, womit wir allein sind, und das, was wir teilen dürfen. Über Veränderungen, das Loslassen - manchmal Loslassenmüssen - und den Bestand der Liebe. Über Liebes“beziehungen“ zwischen Partnern, Eltern und Kindern, Großeltern und Enkelkindern. Über Ängste und die Macht des Liebens. Und das alles humorvoll eingebettet in das Lebensgefühl der Toskana. Dieser Mond ist eine Reise wert!

Harald S., 28. Februar 2019

Toll mit kleinen Abstrichen

Zweifellos hat man es bei Herrn Söring mit einem der "begnadetsten deutschen, jungen Schrifstellern" zu tun. So auch die FAZ zu seinem vorigen Buch "Penne auf Herz", welches auch ich mit voller Begeisterung gelesen habe. Auch konnte ich den Autor in Frankfurt bei seiner Lesung zu dem oben genannten Werk persönlich kennenlernen. Humorvoll, mit viel Wortwitz, aber auch musikalisch (er spielt zwischen den Wortbeiträgen Klavier) hat er das Auditorium in seinen Bann gezogen.

Nun also der Nachfolger "Auf deinem Mond ein Feigenbaum". Ich habe es inzwischen gelesen, einige Kapitel sogar mehrfach. Eines vorweg: dieses Buch ist wundervoll geschrieben, schafft es, das Thema Tod und Trauerbewältigung sehr differenziert, modern und unglaublich lebensbejahend zu bearbeiten. Besonders der zweite Teil (die Reise) sowie die Schilderungen der Mutter, haben es mir angetan. Großartig, Hut ab und volle 5 Sterne! Dennoch gibt es meiner Ansicht nach auch eine Schwachstelle. Diese betrifft den ersten Teil des Buches. Das Sterben der Mutter ist mir persönlich zu episch und geht auf Kosten der eigentlichen, sehr schönen Vater-Tochter-Geschichte. Drei Kapitel weniger hätten es auch getan. Dennoch glaube ich nach wie vor, dass man es hier mit einem spannenden, rührenden Roman zu tun hat, der von einem tiefsinnigen Lebensbeobachter verfasst wurde.

Arivle, 20. Februar 2019

Gutes Buch!

Hat mir gut gefallen, wirklich lesenswert!

Für alle Italienliebhaber besonders zu empfehlen 😉

Shopper, 19. Februar 2019

Unbedingt lesenswert!

Selten hat ein Autor den Umgang mit Verlusten, Loslassen, Trauer und Angst so ummelancholisch, spritzig und dennoch herzensnah formuliert. Kann es tatsächlich ohne voyeuristische Freude, Spaß machen, Vater und Tochter dabei über die Schulter zu schauen, wie sie mit ihrem Traumata umgehen? Ja, es kann.

Die Schreibe des Autors ist voll von intelligentem Sprachwitz und beinhaltet immer auch ganz viel Staunen über die Tiefe und Wucht großer Emotionen.

Bücher, in denen ich lachen UND weinen kann verdienen 5 Sterne.

Felix Söring hat mit "Auf deinem Mond ein Feigenbaum" beides geschafft. Mehr davon.


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