Ein Hypochonder verliebt sich in eine Opernsängerin.
Doch was, wenn ihr Vibrato für ihn tödlich ist?
Ein Roman über Liebe, Lügen, Männlichkeitsmythen -
und die Frage, wie viel Angst ein Herz aushält.
326 Seiten • April 2026
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Paperback • E-Book
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Er hat ein feines Gespür für medizinische Notfälle, besonders für die eigenen. Ein Kribbeln, ein Ziehen, ein falscher Atemzug – schon steht die innere Notaufnahme bereit. Doch nichts bringt ihn so zuverlässig an den Rand des Zusammenbruchs wie Elena, die Opernsängerin. Ihre Stimme ist grandios – und für ihn potenziell lebensgefährlich. Jedes Mal, wenn sie singt, ist er überzeugt, dass sein Herz stehen bleibt.
Um nicht als wandelnde Katastrophe aufzufliegen, erfindet er sich neu: als souveräner Kulturjournalist. Cool, charmant, kerngesund. Gecoacht wird er von seinem besten Freund, einem ehemaligen Basketballprofi, der ihn kurzerhand zu seinem nächsten Projekt erklärt und überzeugt ist, dass Mut nur eine Frage der Körperspannung ist.
Eine Zeit lang geht der Plan auf. Doch je näher er Elena kommt, desto brüchiger wird die Fassade. Während sie auf der Bühne glänzt, taumelt er hinter den Kulissen durch Wartezimmer, Panikattacken und absurde Selbstdiagnosen.
Bis er dort landet, wo kein Hypochonder je sein will: zu eng für Symptome, zu nah für Ausreden.
Hypochondrie wird belächelt. Von Ärzten, die routiniert »alles in Ordnung« sagen, während sie mit einem Kugelschreiber auf dem Befund herumkritzeln. Vom Umfeld, das mit einem Augenrollen reagiert. Von Freunden, die raten, einfach weniger nachzudenken. Sie ist die Krankheit, die nicht ernst genommen wird - laut im Kopf, aber stumm für die Welt. Und doch ist sie ein Geschwür. Kein sichtbares, sondern eines, das sich durch Gedanken frisst. Sie zerstört nicht den Körper, sondern das Gefühl, sicher zu sein.
Hypochondrie ist ein Leben auf Abruf. Jeder Tag könnte der letzte sein. Nicht, weil er es wirklich ist, sondern weil es sich so anfühlt.
Ich weiß das, weil ich es lebe. Ich habe Dr. Google zu meinem Hausarzt gemacht und aus harmlosen Symptomen ernsthafte Diagnosen konstruiert. Ich horche in mich hinein wie ein Mechaniker in den Motor eines alten Wagens - überzeugt davon, dass irgendwo ein Schaden sein muss. Mein Körper ist eine endlose Baustelle und ich ihr strengster Kontrolleur. Ich messe, überprüfe, analysiere, als ließe sich durch bloße Aufmerksamkeit das Unheil verhindern.
Ich habe Nächte damit verbracht, meinen eigenen Puls zu überwachen, Symptome zu recherchieren, Gewissheit zu suchen. Und obwohl ich weiß, wie irrational das klingt, bleibt die Angst real. Denn das ist das Perfide an dieser Krankheit: Man kann sie nicht mit Logik besiegen. Man kann sich hundertmal sagen, dass alles in Ordnung ist - und doch bleibt dieses eine "Was, wenn?". Was, wenn diesmal wirklich etwas übersehen wurde? Also suche ich weiter nach Bestätigung. Untersuchungen, Diagnosen, kurze Erleichterung - bis die Angst zurückkehrt.
Und genau hier beginnt die eigentliche Frage: Was bleibt, wenn Angst nicht vergeht, wenn sie sich nicht vertreiben lässt? Wo setzt man an, wenn Logik nicht hilft, beruhigende Gewissheiten nur kurzfristig tragen und selbst die Zeit keine Wunden heilt, sondern sie immer wieder aufreißt? Wo ist die Hoffnung bei einer Krankheit, die sich offenbar selbst ernährt, die sich hartnäckig hält wie ein Schatten, der sich nicht abschütteln lässt?
Vielleicht genau dort, wo man sie am wenigsten vermutet: im Humor. Nicht als Verharmlosung, nicht als Ablenkung, sondern als Gegengewicht. Als Möglichkeit, die Angst für einen Moment auf Abstand zu bringen, sie zu betrachten, statt von ihr beherrscht zu werden. Und darum geht es in diesem Buch. Es ist kein Ratgeber und schon gar keine Anleitung zur Heilung.
Es ist ein Roman, eine Geschichte, gewoben aus realen Erlebnissen, überzeichneten Erinnerungen und absurden Wendungen. Eine Erzählung über eine Angst, die lähmt. Aber auch über die Momente, in denen man ihr etwas entreißen kann: Ein Augenzwinkern, ein Lächeln, manchmal sogar ein befreiendes Lachen. Denn das war und ist letztlich meine wirksamste Waffe. Nicht die Logik, nicht die Vernunft, nicht einmal die Therapien, die mich zu heilen versuchten, sondern der Humor.
Es wäre schön, wenn dieses Buch ein wenig Trost spenden kann – jenen, die diese Angst kennen, die wissen, wie sie sich in jeden Gedanken gräbt, wie sie das Leben einengt. Gleichzeitig soll es eines jedoch nicht: sich über Menschen erheben, die wirklich krank sind, deren Diagnosen keine Hirngespinste sind, sondern bittere Realität. Ihr Schmerz ist greifbar, unbestreitbar, unausweichlich – und nichts von dem, was ich schreibe, soll ihn relativieren.
Doch auch die Angst vor der Krankheit kann ein Schatten sein, der das Leben verdunkelt, lange bevor es überhaupt bedroht ist. Und genau hier kann Humor helfen. Humor heilt nichts, lässt die Angst nicht verschwinden, aber er nimmt ihr für einen Moment die Bühne. Weil er Abstand schafft. Weil er uns erlaubt, neben ihr zu stehen, statt von ihr verschluckt zu werden.
Vielleicht geht es am Ende nicht darum, sie zu besiegen. Vielleicht reicht es, wenn sie nicht das letzte Wort hat.
Felix Söring im März 2026